Gitarre Spielen ohne Schmerzen – Tipps vom Profi

Die Gitarre ist ein wunderbares und – allen Unkenrufen, die ihren raschen Tod vorhersagen, zum Trotz – ein weiterhin sehr beliebtes Instrument.  Für viele Jugendliche ist sie eines der ersten Einstiegsinstrumente ins aktive Musizieren.

Die Gitarre – ein beliebtes Einsteiger-Instrument

Ob elektronisch oder akustisch: Mittlerweile musizieren laut Branchenverband rund 14 Millionen Deutsche, in jedem sechsten Haushalt werden ein oder mehrere Instrumente gespielt. Nach Angaben des Deutschen Musikrats greifen 24 Prozent aller 17-Jährigen regelmäßig zum Instrument. Davon spielt jeder Zweite seine Lieblingssongs auf Gitarre oder Keyboard.
(Quelle: AKTIVonline)

„Das beliebteste Instrument der Deutschen ist die Gitarre. 15,9 Prozent aller Musizierenden spielen akustisch oder elektroakustisch das Saiteninstrument.“
(Quelle: Tagesspiegel)

Die E-Gitarre gehört in fast allen Bands zur Grundausstattung, die nicht fehlen darf. Bis zum Jahr 2000 war sie das weltweit am meisten verkaufte Musikinstrument. (Quelle: Tagesspiegel)

Die körperliche Herausforderung beim Gitarre-Spielen

Auch mit Blick auf die Bewegungsabläufe beim Gitarrenspielen ist sie ein sehr vielfältiges Instrument. Vordergründig ist das Gitarrenspielen nicht körperlich anstrengend wie z.B. das Schlagzeugspielen. Aber wenn man es in seiner ganzen Bandbreite benutzt, kann es ein überaus komplex zu bedienendes Instrument sein. Man denke nur an die Geschwindigkeiten, mit denen Gitarristen im Metal die Seiten anschlagen, oder an die Perfektion der Fingerstyle-Technik bei Country-Virtuosen wie Chet Atkins.

Was in jüngeren Jahren erst einmal keine große Rolle spielt, da sich Schmerzen und Verspannungen noch in Grenzen halten, bekommt mit den Jahren eine immer größere Bedeutung: nämlich die richtige Haltung am Instrument.  Gerade beim Spielen der Gitarre kann sich doch der ein oder andere, auf Dauer sehr schmerzende und auch gesundheitsschädigende Haltungsfehler einschleichen.

Gitarre spielen ohne Schmerzen

Hier spielen Haltungsschmerzen wohl noch keine Rolle

Gesundheits-Tipps vom Profi

Ein Thema, das auch den Komponisten und Musiker Ralf Bauer, der sich mit 17 als Autodidakt die Gitarre selbst beizubringen begann und mit 21 die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Köln bestand, gezwungenermaßen, schon seit einigen Jahren umtreibt. Es ist aus seiner Sicht bedauerlich, dass das Gesundheitsthema bei Pädagogen und Musikern nicht genügend Beachtung finde.

Die technische Perfektion auf dem Instrument hat oftmals absolute Priorität, und die Gesundheit findet viel zu selten, nur hier und da mal in Workshops Beachtung.

Er dagegen findet, es sollte viel mehr und offen darüber diskutiert werden. Nicht wenige seiner Musikerkollegen müssten nämlich sonst im fortgeschrittenen Alter das so heißgeliebte Instrument aus gesundheitlichen Gründen zur Seite legen.

Typische Beschwerden beim Spielen der Gitarre

Klassischerweise sind es Nacken-, Schulter-, Unterarm-, Hüft- und Rückenprobleme, die sich bemerkbar machen und den Spielenden einschränken.  So wie bei ihm selbst vor ca. 5 Jahren.

Hinzu kommen dadurch auch meist Sehnenscheiden – und Muskelansatzentzündungen und daraus resultierend auch psychische Probleme.  Bauer dazu: „Man ist nicht mehr ausgeglichen und fühlt sich nicht mehr in der „Waage“.“

Vielleicht aber auch, weil man die Gefahr sieht, das geliebte Instrument nicht mehr spielen zu können.  Ein sicherlich schmerzlicher Verlust und für viele Musiker auch eine buchstäblich existentielle Gefahr.

Gitarre und Gesundheit – die richtige Haltung am Instrument

Damit es nicht so weit kommen muss, gibt der erfahrene Musiker folgende und auch an sich selbst erprobte Tipps:

Die Fußbank sollte weg, lieber mit einer Gitarren-Stütze, die eine Verbindung zwischen Instrument und Oberschenkel herstellt, oder aber im Stehen (mit Band) üben.

Gitarre spielen ohne Schmerzen

Ralf Bauer in Aktion

Die Hauptsache ist, dass beide Füße auf dem Boden stehen – die Hüften werden es einem langfristig danken.

Auch Physiotherapie, gymnastische Übungen für den Rückenstrecker, Dehnungsübungen, Rückenmuskulatur stärken, um die Wirbelsäule zu entlasten und Schwimmen sollten bei Gitarren-Liebhabern auf dem Programm stehen.

Ebenfalls hilfreich ist es, die Unterarme in Kochsalz-Lösung zu baden und zu massieren.

Neben dem obligatorischen Aufwärmen („Warm-up“) vor jedem Spielen (nicht kneifen!) sollte, so der erfahrene Gitarrist, ebenso das so genannte “Cool down” stehen.  Darunter sind Entspannungsübungen nach dem Konzert und nach dem Üben zu verstehen.  Eine ganze Reihe guter physiotherapeutischer Übungen, die einzelne Muskelpartien wie Rücken – und Schultermuskulatur entspannen sollen, finden sich u.a. auf youtube.  Hier kann sich jeder nach Belieben die passenden und am angenehmsten empfundenen Trainingseinheiten zusammenstellen.  Sie werden sich auszahlen.

Außerdem sollte sich jeder Musiker folgende Frage stellen: Muss ich wirklich alles so schnell spielen? Weil das leider oft zu Verkrampfungen führt. Die Wiederentdeckung der „Langsamkeit“ ist nämlich auch ein interessantes Thema.

Wie seht ihr das?  Was sind Eure Tipps, wenn ihr merkt, jetzt macht das Spielen körperlich keinen Spaß mehr, sondern schmerzt nur noch?

 

 

Zur Person

Ralf Bauer absolvierte die Musikhochschule Köln; studierte klassische Gitarre, Renaissance Laute und Barocklaute. Seine künstlerische Tätigkeit und Erfolge umfassen 12 CD-Einspielungen, verschiedene Auszeichnungen internationaler Wettbewerbe, sowie Kompositionsaufträge für Film und Fernsehen.

Homepage: http://www.composer-ralfbauer.com/